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Auch an die denken, die eine Wohnung suchen

Wer vor dem verschlossenen Eingang der Kleeblatt-Passage steht, dem wird schnell klar: Dieses leerstehende und verwahrloste Gebäude muss weg. Hier wird sich niemand mehr finden, um ein Gewerbe zu betreiben. Das zeigt die immer noch über dem ehemaligen Laden der Drogeriekette Schlecker, seit 2012 pleite, hängende Leuchtreklame. Der Bezirk will das Quartier durch die Aufstellung eines Bebauungsplans entwickeln und den Bau von Wohnungen ermöglichen. Seit Sommer liegt für den Teilbereich der abzureißenden Passage bereits eine Baugenehmigung für fünf Gewerbeeinheiten im Erdgeschoß und 340 Wohnungen in darüberliegenden bis zu zehn Geschossen vor. Geplante Fertigstellung 2026. So zeigt es der Internetauftritt des Projektentwicklers.

Aktuell hat die Bezirksverordnetenversammlung mit den Stimmen von AfD, Grünen und Linken dem Antrag einer Anwohnerinitiative zugestimmt, die mehr Transparenz im Verfahren, eine maximale Höhe von vier Geschossen und eine bessere Nahversorgung fordert. „Dass sich die Mehrheit von CDU und SPD durch Enthaltung wegduckt und den politischen Rändern das Feld für ideologische Zwecke überlässt, ist mir unbegreiflich,“ kommentiert das FDP Bezirksvorstand Harald Wurr.

„Wir Freie Demokraten wollen keine abgehängten Quartiere. Wir begrüßen daher den Abriss der leerstehenden Passage und die Errichtung dringend benötigten Wohnraums zu bezahlbaren Preisen,“ erklärte Wurr. Da eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft den Komplex nach Fertigstellung übernehmen werde, sei wohl kaum zu erwarten, dass es hier um die „Interessen von profitgetriebenen Investoren“ gehe, wie es in der Begründung des Einwohnerantrags heißt. Die Linke hatte bei dessen Formulierung geholfen, wie sie in der BVV erklärte. Auch von „zusätzlicher spekulativer Bebauung“ ist im Text die Rede. „Es ist doppelt verantwortungslos, was die Linke betreibt. Man kann nicht wegen Wohnungsknappheit die Enteignung von privaten Wohnungsunternehmen fordern und gleichzeitig verhindern wollen, dass ausreichend neue Wohnungen für sozial Schwächere durch die landeseigenen Betriebe gebaut werden“.

Die Menschen haben mit ihrem Einkaufsverhalten darüber abgestimmt, dass die Kleeblattpassage in ihrer jetzigen Form keine Zukunft hat. Sie tätigen ihre Einkäufe woanders. Da hilft es auch wenig, wie die Einwohnerinitiative es vermittelt, vergangenen Zeiten nachzutrauern. Das Ensemble aus Kaufhalle, Dienstleistungswürfel und Club-Gaststätte kommt nicht wieder. Dessen überschaubares Angebot hoffentlich auch nicht. Nur wenn mehr Menschen eine größere Nachfrage schaffen, werden sich auch wieder Gewerbetreibende niederlassen. Wurr „Der Staat kann und muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Er betreibt aber selbst weder Club-Gaststätten noch Blumengeschäfte. Das ist auch gut so.“